Frauen in der Landwirtschaft in der Region 10
Vielseitig, innovativ, unverzichtbar und sichtbar!
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© Kathrin Lutz
2026 wurde von den Vereinten Nationen weltweit zum "International Year of the Woman Farmer" erklärt. Das UN-Jahr der Landwirtin soll die Sichtbarkeit der Frauen in der Landwirtschaft erhöhen. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ingolstadt-Pfaffenhofen ergreift diese Gelegenheit, um auf Landwirtinnen aus der Region 10 aufmerksam zu machen. Drei junge Frauen geben in einem Interview einen tiefen Einblick in ihr Leben als Landwirtin.
In Bayern gibt es derzeit etwa 9 % eigenverantwortliche Betriebsleiterinnen, Tendenz steigend - eine Entwicklung, die sich in den Studierenden-Zahlen der Dr. Eisenmann-Landwirtschaftsschule Pfaffenhofen, Abteilung Landwirtschaft widerspiegelt.
„Der Anteil der Frauen, die sich zur 'Staatlich geprüften Wirtschafterin für Landbau' an unserer Schule fortbilden, ist auf 23 % gestiegen. Langsam werden es mehr. Uns geht es darum, den Frauen Mut zu machen, in der Landwirtschaft Verantwortung zu übernehmen und diese nach außen sichtbar zu zeigen.“
Andrea Kellermann, Schulleiterin
Nicht nur bei den zukünftigen „Staatlich geprüften Wirtschafter/-innen für Landbau“ erhöht sich die Quote, bei den Quereinsteigern, die über das sogenannte „Bildungsprogramm Landwirt“ (kurz BiLa) eine Ausbildung zum Landwirt/zur Landwirtin absolvieren, ist dies ebenfalls zu beobachten.
Von insgesamt 68 Absolventen (BiLa, reguläre Ausbildung oder Dual mit Hochschule) im Dienstgebiet des AELF Ingolstadt-Pfaffenhofen, die 2026 die Prüfung zum/zur Landwirt/-in abgeschlossen haben, ist rund ein Drittel weiblich. Unter ihnen ist die amtierende Kartoffelkönigin Julia Grabler aus Hollenbach (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen), die über das BiLa den Abschluss zur Landwirtin gemacht hat. Sie und zwei weitere junge Landwirtinnen erzählen in einem Interview über ihren Beruf als Landwirtin und die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft.
Interviews
Julia Grabler
Julia Grabler, 23 Jahre, Hollenbach, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen
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Julia Grabler
Werdegang: Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Während der Berufstätigkeit als Kauffrau für Büromanagement nebenberuflich BiLa (Bildungsprogramm Landwirt) absolviert.
Leider wird man des Öfteren unterschätzt und bekommt weniger zugetraut, nur weil man eine Frau ist.
Früher galt die Frau vor allem als Erntehilfe, doch heute sieht man immer mehr Frauen auch einmal am Traktorsteuer, was ich als einen guten und wichtigen Schritt empfinde. Auch Frauen können diese Aufgaben schaffen.
Für mich bedeutet dies sehr viel. Es zeigt die Weiterentwicklung und die neu entwickelte Offenheit in den Handwerksberufen. Geschlechtstrennungen werden langsam etwas geringer, was ich einen sehr wichtigen Schritt finde.
Ich habe beispielsweise einen reinen Frauen-Motorsägen-Kurs absolviert. Ich finde solche expliziten Kurse sollten viel mehr unterstützt und angeboten werden, denn vielen Frauen schenkt dies mehr Mut und Kraft sich durchzusetzen.
Da ich BiLa-Absolventin war, gibt es keine längere Fremdlehre im Praxisbereich auf anderen Betrieben. Deshalb war ich sehr froh, über die Hilfe und Gespräche mit bekannten Landwirten. Man lernt nie aus und kann meiner Meinung nach, gerade in jüngeren Jahren, von früheren Generationen vieles lernen.
Ich habe in meinem Vollzeitberuf als Kauffrau für Büromanagement ein Gleitzeitmodell und Saisonzeiten, die sich nicht mit den Saisonzeiten zu Hause überschneiden. Dies hilft mir sehr dabei, eine gute Kombi zu finden. Mein Freund absolvierte ebenfalls das BiLa, weshalb wir die gleichen Interessen verfolgen und auch Zeit gemeinsam auf dem Betrieb bei der Arbeit verbringen.
Vor allem in der Direktvermarktung setzen viele Frauen bereits Zeichen. Sie sind in der Umsetzung oft sehr eigenständig. Auch haben viele den Mut noch weiterzugehen und führen z. B. ein Hofcafé.
Seid mutig und lebt jeden eurer Träume. Mit Mut, Willen und Kraft kann man alles schaffen, auch als Frau!
Monika Bonschab
Monika Bonschab, 29 Jahre, Buxheim, Landkreis Eichstätt
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© Barbara Bonschab
Werdegang: 2015-2019: Studium in Weihenstephan „Wirtschaftsingenieurwesen Agrarmarketing und Management“ mit Abschluss Bachelor of
Engineering, 2019-2022: 3 Jahre beim Maschinenring Eichstätt, 01.07.2022: Hofübernahme
- Welche Herausforderungen haben Sie als Frau in der Landwirtschaft erlebt – sowohl während der Ausbildung als auch im Berufsalltag? (Gab es Situationen, in denen Sie explizit Ihre Rolle als Frau thematisieren mussten?)
„Menschen, mit denen ich zum ersten Mal zu tun habe, schreiben meinen Betrieb oft meinem Mann zu, obwohl er seinen eigenen Beruf und seine eigene Arbeit hat. Dabei ist ihnen ganz egal, dass ich diejenige mit der landwirtschaftlichen Ausbildung bin. Andersherum wurde mein Mann noch nie gefragt, warum ich nicht seine Arbeit mache (seine Familie hat einen Handwerksbetrieb). Ich wurde mal gefragt, ob mein Bruder den Hof nicht wollte. (Er wusste nicht einmal, ob und welche Geschwister ich habe.) Ich muss oft meine Qualifikation als Betriebsleiterin vor anderen erst beweisen, z. B. in dem ich gefragt werde, welche Ausbildung ich habe. Einem Mann
hingegen wird allein aufgrund des Geschlechts die Eignung zugeschrieben.“ - Wie erleben Sie die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft heute im Vergleich zu früher? Sehen Sie Fortschritte – und wenn ja, in welchen Bereichen?
„Es gibt einen Unterschied zwischen „Frauen in der Landwirtschaft“ und „Landwirtinnen“. Zu „Frauen in der Landwirtschaft“ zählen viele auch Frauen, die z.B. einen Landwirt geheiratet haben und dabei ihren eigenen Beruf
meist komplett aufgeben, um auf dem Betrieb mitzuarbeiten. Diese Frauen haben oft nicht die gleiche Last und Verantwortung wie selbstständige Landwirtinnen zu tragen: Sozialversicherungsbeiträge, Mutterschutz, Kindererziehungszeit, Finanzierungen etc., um nur einige Beispiele zu nennen. Und das wird auch heute noch von vielen nicht beachtet und alle Frauen in der Landwirtschaft in eine Schublade (Haushalt, Kinder, Büro, Mann ist der Ernährer) gesteckt. Es ist anstrengend, sich auch heute noch so genau erklären zu müssen, um nicht in diese Schublade gesteckt zu werden.“ - Das Jahr 2026 steht im Zeichen der Landwirtinnen. Was bedeutet diese internationale Aufmerksamkeit für Sie persönlich und für die bäuerlichen Betriebe vor Ort? (Chancen für Nachwuchsgewinnung und Gleichstellung?)
„Ich merke nichts von der internationalen Aufmerksamkeit, außer dass ich noch eine Interview-Anfrage zu diesem Thema bekommen habe. Ein Beweis: Es gibt tatsächlich zu wenige von uns.“ - Welche konkreten Maßnahmen oder Unterstützungen würden Sie sich von Politik und Verwaltung wünschen, damit mehr Frauen Ausbildung und Führungsaufgaben in der Landwirtschaft übernehmen? (Konkrete Forderungen, z. B. Weiterbildungsangebote, Kinderbetreuung, Förderprogramme.)
„Als Selbstständige habe ich keinen Mutterschutz. Die landwirtschaftliche Krankenkasse bezahlt einen Betriebshelfer nur 6 Wochen vor und 8 Wochen nach dem Entbindungstermin. Der Betriebshelfer darf jedoch kein naher Verwandter sein und er darf auch nicht vorher schon regelmäßig auf dem Betrieb geholfen haben (was natürlich nützlich wäre, um die Abläufe zu kennen). Für die Gefährdungsbeurteilung der Berufsgenossenschaft muss ich mehrere Seiten voll mit Gefährdungen/Belastungen zum „Schutz werdender und stillender Mütter vor unverantwortbaren Gefahren, unzulässigen Tätigkeiten oder Arbeitsbedingungen“ ausfüllen und beachten, die aber wiederum für mich als Betriebsleiterin nicht gelten. Hier wünsche ich mir für alle Selbstständigen Frauen – egal ob Landwirtschaft, Handwerk etc. – sinnvolle Lösungen wie z. B. dass auch Familienangehörige, die in dieser Zeit Arbeit übernehmen, von der Krankenkasse bezahlt werden.“ - Welche Rolle spielt Netzwerken, Mentoring oder der Austausch mit anderen Landwirtinnen für Ihren beruflichen Weg? Haben Sie selbst Mentorinnen oder sind Sie Mentor/in für andere?
„Ein gutes Netzwerk hilft mir als Betriebsleiterin ungemein, dabei ist das Geschlecht egal. Im Laufe meines Studiums, auf meinen Praxisbetrieben und später beim Maschinenring konnte ich viele Kontakte knüpfen, auf die ich heute jederzeit zurückgreifen kann. Explizit mit anderen Landwirtinnen bin ich nicht im Austausch. Davon gibt es zu wenige und wenn, dann haben wir alle (leider) keine Zeit.“ - Wie vereinbaren Sie Beruf, Familie und Freizeit – und welche Unterstützungsstrukturen sind dabei besonders wichtig? (Z.B. betriebliche Lösungen wie flexible Arbeitszeiten, gemeinschaftliche Betreuung, Technikunterstützung.)
„Mein Mann und ich haben einen 9 Monate alten Sohn, den wir gemeinschaftlich betreuen. Dabei unterstützen uns unsere Eltern sehr, ohne Omas und Opas würde es nicht gehen. Die Arbeit auf dem Betrieb ist dadurch natürlich nicht weniger geworden, die Tage werden nur länger. Das Gemüse ernte ich beispielsweise noch bevor unser Sohn aufwacht und solange mein Mann noch nicht zur Arbeit fahren muss. Oder abends nach dem zu Bett bringen gehe ich nochmal ins Gewächshaus zur Pflege. Entscheidender Vorteil ist, dass wir seit kurzem auch direkt auf dem Betrieb wohnen. Hobby und Freizeit stehen zurzeit hinten an.“ - Gibt es Aspekte der modernen Landwirtschaft (z. B. Digitalisierung,
Nachhaltigkeit, Direktvermarktung), bei denen Frauen besondere Impulse setzen können oder bereits setzen? (Konkrete Beispiele aus Ihrem Betrieb oder Umfeld.)
„Ich halte nichts von geschlechtertypischen Zuschreibungen von Eigenschaften.“ - Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben, die eine Karriere in der Landwirtschaft anstreben – und welche Botschaft möchten Sie zum Internationalen Jahr der Landwirtin 2026 an die Öffentlichkeit richten?
„Mein Rat an junge Frauen: Mach es, egal was andere sagen und egal wie oft du dich vor anderen rechtfertigen und erklären musst.“
Kathrin Lutz
Kathrin Lutz, 30 Jahre, Kolmhof Geisenfeld/Unterpindhart, Landkreis Pfaffenhofen
© Kathrin Lutz
Werdegang: Aufgewachsen auf dem elterlichen Betrieb, Studium Agrarwissenschaften (Bachelor) und Agrarmanagement (Master) an der TU München in Weihenstephan, von klein auf mit dabei; Mutter Karin (Betriebsleiterin bis 30.06.2025) als Vorbild
- Welche Herausforderungen haben Sie als Frau in der Landwirtschaft erlebt – sowohl während der Ausbildung als auch im Berufsalltag? (Gab es Situationen, in denen Sie explizit Ihre Rolle als Frau thematisieren mussten?)
„Manchmal wird man fachlich unterschätzt. Gutes Fachwissen ist das A und O. Oft wird man von Geschäftspartnern oder Berufskollegen nicht als Betriebsleiterin wahrgenommen, was mich sehr stört. Bei den jüngeren Berufskollegen ist das jedoch kein Problem mehr. Einige Arbeiten sind körperlich sehr anstrengend, sodass man teilweise auf Hilfe angewiesen ist. Trotzdem versuche ich den Betrieb technisch so aufzustellen, dass nahezu alle Arbeiten von mir durchgeführt werden können.“ - Wie erleben Sie die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft heute im Vergleich zu früher? Sehen Sie Fortschritte – und wenn ja, in welchen Bereichen?
„Ich denke, dass wir es mittlerweile leichter haben als beispielsweise unsere Mütter oder Großmütter. Es werden immer mehr Frauen in der Branche, die auch sichtbar immer mehr Verantwortung übernehmen. Die Frauen waren und sind in der Landwirtschaft schon immer ein sehr wichtiger Teil der Betriebsstrukturen. Sie leisten viele wichtige Arbeiten, die oft nicht gesehen werden. Auch halten sich viele bewusst im Hintergrund und manche unterschätzen meiner Meinung nach ihr Können.“ - Das Jahr 2026 steht im Zeichen der Landwirtinnen. Was bedeutet diese internationale Aufmerksamkeit für Sie persönlich und für die bäuerlichen Betriebe vor Ort? (Chancen für Nachwuchsgewinnung und Gleichstellung?)
„Ich finde es gut, wenn die Aufmerksamkeit auf Betriebsleiterinnen in der Landwirtschaft gelenkt wird und die Leistungen entsprechend den männlichen Berufskollegen gewürdigt werden. Jedoch sollte es in der heutigen Zeit nicht mehr notwendig sein.“ - Welche konkreten Maßnahmen oder Unterstützungen würden Sie sich von Politik und Verwaltung wünschen, damit mehr Frauen Ausbildung und Führungsaufgaben in der Landwirtschaft übernehmen?
(Konkrete Forderungen, z. B. Weiterbildungsangebote, Kinderbetreuung, Förderprogramme.)
„Mehr Sichtbarkeit, dass es herausfordernd sein kann als Frau einen Betrieb zu leiten. Wichtig ist die Bereitschaft der Branche, Frauen als gleichberechtigte Arbeits- und Führungskräfte einzustellen.
Ich würde mir wie bei den Arbeitnehmern personelle und/oder finanzielle Unterstützung während und nach der Schwangerschaft wünschen. Für Selbstständige gibt es keine Elternzeit oder Ähnliches. Ich würde das nicht nur auf die Frauen beziehen, sondern generell auf die Betriebsnachfolger. Ich wünsche mir mehr Beständigkeit von der Politik, sodass der Einstieg in den Betrieb oder langfristige Investitionen lohnend sind. Die rechtlichen Vorgaben ändern sich zu schnell.“ - Welche Rolle spielt Netzwerken, Mentoring oder der Austausch mit anderen Landwirtinnen für Ihren beruflichen Weg? Haben Sie selbst Mentorinnen oder sind Sie Mentor/in für andere?
„Netzwerke spielen eine wichtige Rolle, oft sind Frauen in Gremien jedoch unterbesetzt oder werden lediglich als „Quotenfrauen“ hinzugezogen. Selten findet sich mehr als eine Frau in den Vorstandschaften. Die fachliche Expertise wird zudem oft unterschätzt. Den Männern bringen diese gut vernetzten Strukturen meiner Meinung nach in bestimmten Situationen einen unternehmerischen Vorteil. Ein guter Austausch mit Berufskolleginnen mit den gleichen Herausforderungen ist mir deshalb sehr wichtig.“ - Wie vereinbaren Sie Beruf, Familie und Freizeit – und welche Unterstützungsstrukturen sind dabei besonders wichtig? (Z.B. betriebliche Lösungen wie flexible Arbeitszeiten, gemeinschaftliche Betreuung, Technikunterstützung.)
„Durch gute Organisation, klare Aufgabenverteilung und Kommunikation. Zudem helfen bei saisonalen Arbeitsspitzen neben meinen Eltern und den Saisonkräften auch weitere Familienmitglieder.“ - Gibt es Aspekte der modernen Landwirtschaft (z. B. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Direktvermarktung), bei denen Frauen besondere Impulse setzen können oder bereits setzen?
(Konkrete Beispiele aus Ihrem Betrieb oder Umfeld.)
„Die zunehmende Bürokratie und die damit verbundene Mehrarbeit auf den Betrieben wird oftmals von den Frauen aufgefangen. Auch in Sachen Direktvermarktung und Öffentlichkeitsarbeit (Marketing, Social Media, etc.) habe ich den Eindruck, dass die Frauen dort mit innovativen Konzepten und Professionalität den männlichen Kollegen einen Schritt voraus sind.“ - Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben, die eine Karriere in der Landwirtschaft anstreben – und welche Botschaft möchten Sie zum Internationalen Jahr der Landwirtin 2026 an die Öffentlichkeit richten?
„Ich kann eine Karriere in der Landwirtschaft nur empfehlen. Es ist ein sehr vielseitiger, erfüllender und spannender, wenn auch herausfordernder und arbeitsintensiver Beruf. Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn ist, eine gute Ausbildung und Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Traut euch!“

