Rückblick oberbayerischer Direktvermarktertag 2022
Appell: Zukunftstrends aktiv aufgreifen

Pflaumen und Kürbisse in einer Holzkiste

Landwirtschaftliche Betriebe mit eigenem Hofladen oder Automatenverkauf sollten ihren Kundinnen und Kunden kommunizieren, wie sie ihre hochwertigen Produkte herstellen und was sie für Tierwohl, Natur- und Klimaschutz tun. Außerdem sollten sie auf Trends wie pflanzliche Ernährung eingehen.

Das waren Ergebnisse des oberbayerischen Direktvermarktertags, der im Februar 2022 online stattfand. Beraterin Sabine Biberger am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ingolstadt-Pfaffenhofen a.d.Ilm organisierte ihn gemeinsam mit ihren Kolleginnen der oberbayerischen Ämter. Thema war: "Innovationen in der Direktvermarktung".

Geschmackserlebnisse bieten
Sie schilderte zunächst zehn Trends, die eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft formuliert hat.

Dazu gehören

  • die Verarbeitung und Veredelung der eigenen Produkte oder
  • die Einrichtung von Abholstationen oder Verkaufsautomaten bei Supermärkten.

Außerdem habe die Studie festgestellt, dass ideelle Werte wie Haltungsformen oder der Klima- und Naturschutz boomten, berichtete Biberger. Sie riet dazu, besondere Geschmackserlebnisse etwa über alte Gemüse-, Getreide- und Obstsorten zu bieten und besondere Ernährungsformen zu bedienen, denn die Nachfrage dafür sei da. Wer sich an Weide-, Naturschutz- und Tierschutz-Projekten beteilige, solle dies aktiv im Marketing darstellen.

Selbstbewusstes Marketing
Den Landwirten und Bäuerinnen sei Selbstdarstellung häufig fremd, schilderte die Marketing-Betriebswirtin Maria Tonks der Firma Wurzelblick.

"Viele von uns bekommen eingebläut, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen, aber diese Hürde muss man im Marketing überspringen."
Maria Tonks

Für Landwirte sei vieles selbstverständlich. Jedoch lebten wir in einer Zeit, in der kaum noch jemand wisse, wie in der Landwirtschaft gearbeitet werde. "Was macht Sie als Unternehmer aus?" Die Referentin schärfte ihrem Publikum ein, sich zu überlegen, was sie selbst als Person ausmache und was für das eigene Produkt und für den ganzen Betrieb typisch sei. Darauf gelte es, eine Vermarktungs-Strategie aufzubauen.

Inwertsetzung von Lebensmitteln durch die "Genuss Schätze Bayern"
Das Kompetenzzentrum Ernährung in Kulmbach (KErn) unterstützt und initiiert mit seiner Premiumstrategie neue Wertschöpfungsketten. Es begleitet Projekte und bringt Partner zusammen. Am Ende steht ein Produkt mit einem hohen Genussfaktor und einem kulturellen und immateriellem Mehrwert. Das nutzt Landwirten und Verarbeitungsbetrieben aber auch den Konsumenten. Anna Katharina Distler und Eva Stetter (KErn) stellten erfolgreiche Beispiele vor:
  • SAUGUAD. Strohschweine für Bayerns Betriebskantinen
  • Fränkische Zwetschge: Ein kulinarisches Erbe

Im Rahmen des Projekts "Inwertsetzung der Fränkischen Zwetschge" wurden in Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern gänzlich ungeahnte Talente der Fränkischen Zwetschge (wieder)entdeckt.

Food Startup Inkubator Weihenstephan: Entwicklung von Innovationsprodukten in der Direktvermarktung
Marlies Resch hat die fachliche Leitung des Projektes "Lebensmittelherstellung am eigenen Hof" an der Hochschule Weihenstephan. Landwirtschaftliche Unternehmen entwickeln gemeinsam mit dem "Food Startup Inkubator Weihenstephan" ihre Produktideen unter Anleitung von Experten. Damit unterstützt sie junge Gründer im Lebensmittelbereich. Sie wollen ein eigenes innovatives Produkt entwickeln und produzieren? Bewerben Sie sich jetzt beim Food Startup Inkubator Weihenstephan.
Start Mitte September 2022
Zertifikat Food Startup GründungEin neuer Zertifikatskurs "Gründung eines Food Startups" der Hochschule Weihenstephan startet 2022.
Bewerbungsschluss: 1. Juni 2022
VeranstaltungsortFreising und online
Hafer verarbeiten
Andreas Burkhardt und Martin Englmayr lassen mit ihrer Naturglück GmbH aus Horgau bei Augsburg bei Bio-Bauern Hafer anbauen. Diesen verarbeitet eine Mühle zu Flocken und zu Mehl für einen Hafertrunk. Ihr kleines Sortiment mit Hafermilch und Haferflocken verbreiten sie über Supermärkte und über Hofläden. Ihre Produkte liefern sie aktuell im gesamten Großraum Augsburg.
Obst- und Gemüse-Ersatz
Als weitere Gründung stellten Nadine Kösler-Krautz und Sebastian Merk ihre "Smooteas" vor: Als "Natural Organic Powerfood" bezeichnen sie ihre konzentrierten Smoothies mit über 40 Mikro- und Pflanzennährstoffe aus gefriergetrocknetem Gemüse, Obst und Kräutern. Durch Spezialvermahlung entsteht die Superfood-Pulvermischung für bis zu 1,5 Liter Getränk. Aus Zeitmangel, Stress und Bequemlichkeit schaffen es nach Aussage der Vortragenden acht von zehn Personen nicht, ihre täglichen Portionen Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Diese Zielgruppe nimmt das Startup "Kräuterkraft" ins Visier.
Verkostungs-Pakete

Originell ist auch eine Vermarktungs-Idee, die Seminarteilnehmerin Hanna Schuster mit ihrem kleinen Hofladen im Steigerwald verfolgt. Wie sie im Chat berichtete, verschickt sie Verkostungs-Pakete mit Anleitung. Bei ihrem "Schusters Shrub" handelt es sich um Sirup und um Dressings, die über einen Webshop vertrieben werden und die sie gerne auch an Hofläden liefern möchte.

Regionales Bayern: Projekt "Heimat Lieblinge"
Mit Unterstützung des Staatsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft bieten inzwischen 30 Initiativen in ganz Bayern regionale Geschenkkörbe an, die seit neuestem als "Heimat Lieblinge" vermarktet werden.

Infos und Anmeldung - regionales-bayern.de/geschenkkoerbe Externer Link

Fazit
Am Schluss des Webinars zog Moderatorin Sabine Biberger das Fazit, der Mehrwert selbst erzeugter Hofprodukte müsse von den Direktvermarktern intensiver kommuniziert werden. Der Klimaschutz-Trend bei jungen Leuten ist nachhaltig. Und regionale Lebensmittel sind deshalb absolut nachgefragt! Ihr abschließender Rat:

"Sie tun Gutes. Reden Sie auch darüber. Erzählen Sie Geschichten rund um Ihre Produkte, das können auch Sie als Landwirte und Bäuerin – dafür braucht man keine Profis!"
Sabine Biberger