Der Weg zum Beruf Revierförster
Erfolgreiches Studium, einjähriger Vorbereitungsdienst und Inspektorenanwärterprüfung
Die Wälder in Bayern stehen unter starkem Druck durch anhaltende Trockenperioden und wiederkehrende Hitzeextreme, die besonders junge Bäume und Nadelbestände schwächen. Die Ausbreitung des Borkenkäfers und anderer Schädlinge hat in vielen Regionen zu großflächigen Schadholzmengen geführt und zahlreiche Kahlflächen geschaffen. Gleichzeitig laufen verstärkte Aufforstungs- und Waldumbaumaßnahmen, um klimaresistentere Mischwälder mit standortgerechter Baumartenwahl zu etablieren. Dafür braucht es qualifizierte Fachkräfte, um die Maßnahmen wirksam umzusetzen. Im Forstrevier Rennertshofen kümmert sich Revierleiter Martin Spies darum. Hilfe bekommt Spies seit April von seinem Forstanwärter im Vorbereitungsdienst Lukas Sitte. Dieser wird in Zukunft ebenfalls als Revierförster im Staatsdienst arbeiten. Er steckt mitten in den Prüfungsvorbereitungen dafür.
Viel Übung erforderlich
Anfang Oktober steht die sogenannte Inspektorenanwärterprüfung an, die die letzte Hürde für eine berufliche Laufbahn im Staatsdienst darstellt. Dafür muss der 23-Jährige ein breites und tiefes Wissen vorweisen. Die Prüfung gliedert sich in einen schriftlichen, theoretischen Teil und einen mündlichen, hauptsächlich praktischen Teil. „Bei einem Teil der Prüfung werde ich zum Beispiel mit dem Bus in ein Waldstück gefahren, steige aus und muss einen Wald analysieren, den ich noch nie zuvor gesehen habe. Bestandsbeschreibung nennt sich das“, erklärt Sitte und gibt eine Kostprobe. „Fichtenmischbestand, starkes Baumholz, … lichte Partien, … Kronenlänge der Fichte ⅓ bis ½ als stabil zu werten, Laubholz vorhanden, … ca. 450 Festmeter, die hier auf dem Hektar stehen…“. Höhe, Festmeter, Qualität, Anteil der Baumarten, Vitalität und Stabilität: Dafür folgt Sitte einem bestimmten Schema. Die Beurteilung wird später ein wesentlicher Teil seiner Arbeit ausmachen, schließlich wird er Waldbesitzende beraten und muss innerhalb kürzester Zeit erklären können, wo der Waldbesitzer mit seinem Wald steht und wie er oder sie individuell weiterverfahren sollte.
Traumberuf gefunden
Für Lukas Sitte stand schon sehr früh fest, dass er einen grünen Beruf erlernen möchte. „Mein Opa hat diese Leidenschaft in mir geweckt. Er war Landwirt und Waldbesitzer und nahm mich als Kind immer mit in den Wald. Mein Interesse für den Wald wuchs mit jedem Besuch,“ erklärt Sitte seine Berufswahl. Sein Werdegang mit dem Ziel Förster startete mit der Mittleren Reife an einer Augsburger Realschule. Es folgte das Fachabitur und ein Forstingenieurwesen-Studium an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Nach 3,5 Jahren schloss er sein Studium mit der Bachelorarbeit ab und war damit fertiger Förster, der für Privatwaldbesitzer oder Waldbesitzervereinigungen hätte arbeiten können. Lukas Sitte, wollte aber in den Dienst der bayerischen Forstverwaltung treten. Dafür ist ein zusätzliches Jahr notwendig - die Anwärterschaft, auch Vorbereitungsdienst genannt, in der er sich gerade befindet.
Geschlagenes Holz wird vermessen
„Vollgepackt“ mit Theorie und Praxis
„Dieses Ausbildungsjahr ist für die Anwärter ein besonders herausforderndes und anstrengendes Jahr und ist vollgepackt mit Theorie und Praxis.“, weiß Martin Spies. Der theoretische Abschnitt erfolgt an der Forstschule Lohr am Main. Zwei berufspraktische Teile zu je ca. 4 Monaten ergänzen die Anwärterschaft. Diese sind in einem Revier der Bayerischen Staatsforsten und in einem Revier bei einem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) zu absolvieren. Am AELF Ingolstadt-Pfaffenhofen hilft unter anderem Martin Spies den Anwärtern durch diese schwierige Phase. Als ernannter Ausbildungsbeamter kümmert er sich in der Regel um einen Anwärter pro Jahr und das mit Herzblut. „Ich habe in meiner Anwärterzeit gute Ausbilder gehabt und will dieses Wissen an junge Leute weitertragen. Da die Waldbewirtschaftung eine generationenübergreifende Tätigkeit ist, sind gut geschulte und ausgebildete Fachkräfte nötig, um den Wald der Zukunft zu gestalten“, betont er. Die Ausbildung richtet sich grundsätzlich nach dem Ausbildungsrahmenplan der Forstschule Lohr am Main. Sie umfasst eine große Bandbreite an Themen, wie Betriebswirtschaft, Wegebau, Wald- und Umweltpädagogik, waldrechtliches Wissen, Jagd, Naturschutz, EDV, Arbeitsschutz, Holzsortierung und -verwendung sowie Waldbau und Waldpflege. Darüber hinaus erledigt der Anwärter selbstständig ihm zugeteilte Aufgaben in seinem Ausbildungsrevier.
Intensiver Arbeitsalltag
Heute steht die Auszeichnung der sogenannten Auslesebäume, auch Zukunftsbäume genannt, an. Lukas Sitte markiert alle 10–12 Meter einen Baum, der gesund ist und eine große Krone hat, mit einem gelben Band. Dieser soll ungestört wachsen können. In direkter Umgebung sucht er gleichzeitig nach Bedrängern, also Bäumen, die ihn dabei hindern. Mit roter Farbe zeichnet er die Bäume aus, die entnommen werden müssen. So stellt er sicher, dass der Auslesebaum zukünftig einen guten Ertrag bringt. „Wirtschaftlichkeit steht aber nicht immer im Vordergrund, wieso manche Bäume schützenswert sind“, erklärt Sitte. Manche Bäume, die auf den ersten Blick morsch aussehen, sind trotzdem erhaltenswert. „Biotopbäume oder Vogelbäume leisten einen wertvollen Beitrag für das Ökosystem Wald und stellen einen bedeutenden Lebensraum für verschiedene Tierarten dar.“ ergänzt er.
„Man kann sagen, dass Wirtschaften und Schützen auf der gleichen Fläche stattfinden,“ betont Spies und verdeutlicht, dass der Beruf des Revierförsters viele verschiedene Ansätze verbindet.
Als Vogelbaum gekennzeichnet
Nachwuchs gesucht – aktuell beste Berufsaussichten
Wer sich, wie Lukas Sitte, für einen Beruf in der Forstwirtschaft interessiert, muss nicht zwingend ein Studium dafür absolvieren. Im Bereich Forstwirtschaft gibt es zudem viele duale Ausbildungsberufe, wie zum Beispiel den Forstwirt/die Forstwirtin. In Bayern bilden derzeit rund 100 Betriebe aus. Die Lehre dauert drei Jahre und bietet eine gute Basis für Weiterqualifizierungen.
Mehr Informationen über die Berufe im Forstbereich sind auf der Website des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus zu finden: